29.4.07

Wien-Marathon

Um ehrlich zu sein – eigentlich war mir Wien fremd. Die gediegene, fast aristokratische Bürgerlichkeit des 19. Jahrhunderts, Walzerseeligkeit und Wiener Schmäh entsprechen nicht unbedingt meinem Lebensgefühl. Doch es gibt gute Gründe, die mich in den letzten Jahren immer wieder nach Wien getrieben haben und mich der Stadt näher brachten. Letztes Jahr lief ich kurz entschlossen beim LCC – Herbstmarathon eine für mich sagenhafte Bestzeit beim Halbmarathon und hatte dort Wolfgang und seine Frau Gudrun kennen gelernt, auch das verbindet.
Dieses Frühjahr sollte es nun der Vienna-City-Marathon werden. Ich war gut vorbereitet und hatte die Hoffnung nach einer PB von 4:12 unter 4 h zu kommen.


Am Vortag trafen wir Wolfgang und Gudrun schon auf der Kaiserschmarrnparty, die stilecht im Festsaal des beeindruckenden Wiener Rathauses stattfand. Auf dem kleinen Foritreffen, das Wolfgang bei einem Italiener in der Nähe des Stephansdoms organisiert hatte, lernte ich Bernie 78 kennen. Die Laufgeschichten machten Lust auf den folgenden Tag.

Bernie hatte für den Lauftag etwas von 20° gehört, doch früh um 8:00 Uhr traf man die Läufer schon in kurzen Hosen in der U-Bahn. Es schien warm zu werden. Der Start lag jenseits der Donau zu Füßen der gigantischen Hochhäuser der Uno-City, dem Teil Wiens, den ich bisher nur aus der Ferne kannte. Hier zeigte sich schon die Top-Organisation, die den ganzen Lauf auszeichnen sollte. Wir wurden beschallt mit klassischer Musik, der österreichischen Nationalhymne und dem Donauwalzer, der Himmel war blau, es passte einfach alles zusammen.


Nach dem Startschuss überquert man sofort die Reichsbrücke (es gibt Namen, die gehen wohl nur noch in Österreich). Vor sich sah man den Stephansdom über die Dächer der Innenstadt schauen. Sah man rechts die Donau hinauf, konnte man den Kahlenberg im Wienerwald entdecken, wo 1683 der polnische König, die türkischen Belagerer Wiens besiegte, womit der Niedergang der Türkenherrschaft in Europa eingeläutet war.


Dann ging es am Riesenrad vorbei in den Prater, der nicht nur Rummel sondern zuerst ein riesiger Landschaftspark mit Alleen und gerade blühenden Kastanien ist. Die 4,5 km lange Hauptallee wird zuerst nur bis zu Hälfte gelaufen, dann biegt der Lauf ab und führt etwa bei Kilometer 5 an den von einem Grünstreifen gesäumten Donaukanal. Ich lief mit einem Freund zusammen einen ziemlich exakten Schnitt von 5:30 min/km und die Strecke flog vorbei. Bald kamen wir auf den Ring, der von historistischen Gebäuden des 19.Jahrhunderts gesäumt, als eine der Hauptattraktionen Wiens gilt. Hier stand nicht nur das Kilometerschild 11 sondern auch 40, was zur leisen Frage führte, wie es uns dann gehen wird. An der Staatsoper verließen wir den Ring, rechter Hand tauchte das Ausstellungshaus der Wiener Secession auf, eines der beeindruckensten Jugendstilgebäude mit seiner Krautkopf (Krauthappel) genannten goldfarbenen Blätterwerkkuppel. Nach diesem Hingucker begann ein eher ödes Stück des Laufes ca. 5 km die Linke Wienzeile entlang Richtung Schönbrunn. Nachdem wir bisher vor allem beschattete Alleen als Laufstrecke hatten, knallte uns die Sonne an dieser Ausfallstraße brennend aufs Haupt. Wir sahen einzelne Läufer am Rand liegen und befürchteten eine Hitzeschlacht. Doch wir konnten auf diesen schweren Kilometern, die auch leicht bergan gingen, das Tempo gut halten. Schloss Schönbrunn sahen wir leider nur einen kurzen Moment, dann knickte die Laufstrecke ab Richtung Stadt zurück. Hier war auch der Wechsel der Marathonstaffel. Der folgende Staffelabschnitt war nur 5 km lang, so dass plötzlich eher etwas unförmigere und langsame Läufer den Weg versperrten und Überholmanöver notwendig machten.



Der Lauf führte durch die Mariahilfer Straße, eine der Haupteinkaufstraßen Wiens, zurück zum Ring, wo die Halbmarathonis ihr Ziel erreicht hatten. Für uns ging es den Ring weiter, wo unser persönliches Betreuerteam uns jubelnd und fotografierend für die zweite Hälfte motivierte. Inzwischen waren Wolken aufgezogen und es hatte sich merklich abgekühlt, der nächste Becher Wasser, den ich über den Kopf goss war schon eher unangenehm. Bei Kilometer 24 erreichten wir wieder den Donaukanal, dem wir nun 5 km folgten. Ich ließ nun meinen Lauffreund, der eigentlich den Marathon eine halbe Stunde schneller als ich laufen kann, zurück. Nach seinen langen verletzungsbedingten Pausen, wollte er etwas Tempo raus nehmen.

Ab Kilometer 27 begann eine ca. 12 Kilometer lange Pendelstrecke. Für mich war es eine willkommene Abwechslung, konnte ich doch erst die vorderen Läufer beobachten und dann nach Bekannten Ausschau halten. So entdeckte ich im Prater auch Elcorredor Wolfgang. Nur Bernie hielt sich versteckt. Am Ernst-Happel-Stadion vorbei, wo 2008 das Finale der Fußball WM- ach nein EM- stattfinden wird, ging es die Praterhauptallee von dem Punkt aus weiter, wo wir bei km 5 abgebogen waren. Nach der Umrundung des Lusthauses am Ende der Allee war ich bei km 33 nun auf dem Rückweg. Langsam wurde das Laufen schwerer und es begannen Kopfrechnungen der Art: Wenn ich den nächsten Kilometer noch in 5:30 laufe, kann ich die restlichen Kilometer in der Zeit x laufen und bleibe noch unter 4 h. Wieder am Donaukanal berichtete Radio Wien aus den großen Lautsprechern über den Marathon – interessant zu hören. Bald war auch wieder der Ring erreicht und der 2 Stunden vorher gesehene Kilometer 40 tauchte wieder auf. Offenbachs Cancan belebte die müden Muskeln, rechts tauchte die Staatsoper auf und dann bog auch die Laufstrecke nach links ab zum Heldenplatz – was könnte ein passender Name für das Ziel sein?


Die Uhr war für mich bei 3:52:55 stehen geblieben – ich war glücklich.

20.4.07

Abendberglauf Friedrichroda

15 bergige Kilometer um den Ort meiner Kindheit absolvierte ich in 1:13:30

Abendberglauf

Im Rahmen der läuferischen Wettkampfentdeckungen in meiner Umgebung mußt es natürlich auch der Ort meiner Kindheit sein. Es war spannend die Gegend zu erlaufen.

Dabei lernte ich Gunter kennen und absolvierte einen ziemlich anstrengenden Lauf, der anders als auf der Urkunde auch nur 13,5 km lang war.

7.4.07

Stauseelauf Heyda

Heyda liegt bei Ilmenau. Um den Stausee in Heyda findet seit einigen Jahren am Ostersonnabend der Stauseelauf statt. Wahrscheinlich sind es 18,5 km - so genau hat wohl keiner gemessen. Elektronisch gestoppt war ich dort in 1:30:02 unterwegs. (Etwas schneller hätte ich irgendwie auch sein können)

1.4.07

Steigerlauf

Die Laufsaison beginnt für mich fast immer Ende März oder Anfang April mit dem Steigerlauf in Erfurt. Es ist einer der schönen kleineren Volkssportläufe, die immer wieder schön sind und von denen es kaum jemand berichtet. Ich habe in Laufen-aktuell einen Bericht geschrieben, den es hier auch noch mal gibt:

Darf man eigentlich Laufberichte schreiben, auch wenn die Läufe wenig spektakulär sind und man nicht so schön wie Frau Schmitt schreiben kann?
Probieren wir es. Der unspektakuläre Lauf hat mehrere Namen. Es gibt ihn als Steiger(Frühjahrs)lauf oder Steiger(Pizza)lauf, alle diese (Klammerzusätze) ignorierte ich und fuhr zum Steigerlauf. Der Steiger ist der Stadtwald von Erfurt. Wenn man von der Autobahnabfahrt Erfurt West in die Stadt fährt, rollt man mehrspurig durch ihn bergab, was für die Autofahrer schöner ist als für Läufer, falls diese nicht gerade Auto fahren. Doch beim Steigerlauf berührt man die Straße nicht mal akustisch.



Es war mein dritte Steiger(Frühjahrs)lauf, denn die 13 km sind üblicherweise mein Saisonstart. Letztes Jahr waren wir über schneebedeckte Wege gelaufen, dieses Jahr war es ein echter Frühjahrslauf, bei dem ich die Kurzhosensaison eröffnete. Meine Bestzeit aus dem Schnee lag bei 1:09, so dass eine neue PB, - naja halt über 13 km - das erreichbare Ziel schien.

Der Lauf habe ich in meinem Laufkalender als hüglig gekennzeichnet. Zuerst geht es auf ca. einen Kilometer 50 HM bergab. Ich stellte mich als nun alter Hase vorn an und rannte wie wild los, denn danach folgt schmaler Waldweg, wo jeder Überholversuch durch die Büsche führt. Diese Taktik ging schon mal auf, und ich konnte ohne das übliche Gedränge weiterlaufen. Nun führt die Strecke auf 4 km ca. 150 Hm bergauf. Ich lief ein Stück schwatzend mit einem Läufer, dessen Shirt auf den Ort meiner Kindheit verwies. Da ich eine Bestzeit wollte, ließ ich ihn hinter mir. Der lange Anstieg war geschafft, geradeaus, dann 100 m steil bergab und bergan durch einen Graben. Ich erfreute mich an den aus dem Laub hervorkommenden Frühjahrsblumen, als Himmel und Erde ihre Position wechselten. Vielleicht hätte ich statt der Frühlingsblumen doch die Wurzeln im Graben beachten sollen. Der Schreck war größer als der Schaden der kleinen Schürfwunden an Hand und Knie. Meine Mutter hätte wohl früher mild mit mir geschimpft, dass ich beim ersten mal in kurzen Hosen mir gleich die Knie aufschlage. Den nächsten Kilometer hatte ich zu tun, den Schreck zu überwinden. Dann überholte ich einige Läufer, die sich vorher erkundigt hatten, ob ich Hilfe bräuchte.

Dann begann die 4 km Bergabstrecke in denen wir wieder 150 HM verloren. Langsam wurde die Zeit interessant. An den Bäumen waren verschieden Zahlen mit Farbe gemalt, manche könnten Kilometerangaben dieses Laufes oder seines Vorgängers vor 10 Jahren sein. Bei Baum 7 war ich bei 38 min, Baum 8 bei 42:30. Etwa 50 m vor Baum 9 bog die Strecke nach rechts ab. Die Jahre zuvor sprinteten bergab immer einige Läufer an mir vorbei. Dieses Jahr wurde ich jedoch geschoben von den warmen Sonnenstrahlen und sammelte einige Läufer ein, die größere Gruppe vor mir blieb jedoch im gleichen Abstand. Ich merkte die fehlenden Tempoläufe und Intervalle, denn trotz vorhandener Kraft wollten die Beine sich einfach nicht noch schneller bewegen. Da war ich schon am tiefsten Punkt der Strecke, nun also den Anfangskilometer bergan. Nach einer kleine fiesen Extraschleife der Strecke, damit die Läufer von oben ins Ziel kamen, hatte ich nach 1:03:20 den Lauf geschafft.

Im Ziel bekam jeder Läufer eine Rose und einen 2 Euro-Rabattbon für den Italiener im Steiger, womit auch dieser Name geklärt wäre.
Gefreut habe ich mich über die PB, wenn ich auch im letzten Jahr mit einer sechs Minuten langsameren Zeit Neunter meiner Altersklasse wurde, während es dieses Jahr nur zum zwölften Platz. reichte. Die Welt ist halt ungerecht.