30.3.08

6-h Lauf Waldhessen

Eigentlich hielt ich die Idee, 6 Stunden auf einer 1145 m Runde im Kreis zu laufen, für ziemlich bescheuert. Neben mir fanden die Idee auch meine Lauffreunde, meine Kollegen, meine Frau, meine Eltern und alle andern Menschen, die davon hörten, einfach nur bescheuert. Nur Amelie war tolerant und äußerte sich nicht negativ. Als sie aber am Sonnabendmorgen mit den Schnürsenkeln spielte, wurde mir klar, dass Katzen sinnvollere Verwendungen für Laufschuhe kennen. Da ein Ultra angeblich im Kopf gelaufen wird, hatte ich zur mentalen Vorbereitung alle Laufberichte von Rotenburg der letzten Jahre erneut gelesen, den MP 3 –Player mit meine Lieblingssongs und bisher ungehörten Podcasts gefüllt und außerdem eine Plastikbox mit Vita Cola, Powergel, Weizenbierchips, Toastbrotschnittchen mit Frischkäse, Wechselsachen und Wechselschuhen gefüllt. Verworfen hatte ich den Gedanken, auch ein Buch einzupacken, falls ich nach 4 h keine Lust mehr zum Laufen hätte und mir langweilig würde. Immerhin war ich auch schon 2 mal 30 km in diesem Jahr gelaufen, aber Rotenburg sollte ja auch nur ein langer Trainingslauf sein.
In Rotenburg angekommen, stellte ich mir die Frage, ob ich wirklich in diesem winzigen Schlosspark von ca. 400 x200 m Fläche laufen wolle. Aber da ich schon mal da war ging ich doch an den Start. Ich hatte Marcus als Opfer ausersehen. Wahrscheinlich bin ich schon berüchtigt, dass ich mir immer Opfer suche, dessen meditative Laufruhe ich dann mindestens 30 km störe.Marcus hatte sich 50 km plus x zum Ziel gesetzt. Dieses Ziel fand ich ganz in Ordnung, nachdem ich die Tage vorher zwischen mindesten 30 km, mehr als Marathon oder 50 km schwankte. Eine durchaus realistische Strecke von 55 km hatte ich als unangemessen für einen Trainingslaufes verworfen.
Die Starthupe ertönte und wir zottelten los. Die ersten Runden hatten wir Zeit, den eigentlich schönen Schlosspark näher zu betrachten. Die wohl ehemals barocke Anlage wurde irgendwann zum Landschaftspark umgestaltet, der in den letzten 40 Jahren nützliche Ergänzungen bekam, wie ein Internat in Kastenform, eine Jugendherberge, einen Pavillon mit italienischem Restaurant, einen Kinderspielplatz, Reste einer Betonpergola und einen Minigolfplatz. Alle diese Elemente warten darauf, das Alter des Kriegsdenkmals von 1870/71 zu bekommen, damit der historische Wert die parkverschandelnde Wirkung übersteigt.

Es war ein gemütliches Laufen mit Marcus. Man unterhielt sich, begutachtete die Mitläufer von denen man permanent überholt wurde oder die man selbst überholte. Die Zeit verging wie im Fluge, wir liefen konstant 7 min pro Runde was etwa ein Schnitt von 6:20 min/km entsprach.

Dazwischen bekamen wir bedeutsame Informationen von anderen Läufern, so dass der PSV Grün-Weiß seinen Namen nicht ändert, obwohl die Polizei jetzt blaue Uniformen bekommt oder dass die Bäume an der Fulda nummeriert sind. Letztere Information machte mein Vorhaben zu nichte bei zu großer Langeweile die Bäume im Park zu zählen. Doch langweilig wurde es eigentlich nie. Nach über drei Stunden stellten wir fest, dass schon recht viele Läufer gingen, auch wir wurden etwas müde.
Die mehr werdenden Läufer mit ihren Fähnchen für die Marathonrunde motivierten und irgendwann bei 4:25 h hatten wir die Marathonrunde absolviert und wussten, dass die 50 km kein Problem werden würden.

Nach 5 Stunden begann Marcus etwas zu schwächeln und verlangsamte das Tempo auf eine Geschwindigkeit, die für mich mehr Kraft kostete und so verließ ich ihn. Ich begann zu rechnen, ob die 50 km in Runde 44 oder 45 erreicht werden.
Da überkam mich das Bedürfnis eine Baumdüngung vorzunehmen, doch statt des gelben Düngerstrahls durchzuckte ein stechender Schmerz meine Niere. Ich konnte kaum noch gehen und Gedanken an das Aufhören und einen Arzt machten sich breit. Doch zwei Becher Wasser später ging es schon wieder. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass noch fast eine halbe Stunde Zeit war und das zwischendurch anvisierte und wieder fallengelassene Ziel von 48 Runden locker zu schaffen wäre. So begannen die schönsten drei Runden im inzwischen dauerhaften Sonnenschein. Meine Plastikbox mit dem unbenutzten MP3-Player erreichte ich 3 Minuten vor der Endhupe und beendete meinen Lauf damit vorfristig. Das Ergebnisprotokoll zeigte schließlich 55,123 km an.
Fazit: Ein 6h – Lauf ist nicht langweilig, vor allem wenn man genügend andere Läufer kennt, und hat nur wenig mit der Einsamkeit eines Langstreckenläufers zu tun. Gegenüber normalen Läufen kann man hier den Lauf der anderen unmittelbar mitverfolgen, das bildet Schicksalsgemeinschaften. Das Gefühl, jederzeit aufhören oder nur gehen zu können, erleichtert das Laufen. Gezottelte 6 h sind weniger anstrengend als ein auf Bestzeit gelaufener Marathon. Außerdem sind die 6 Stunden von Rotenburg eine toll organisierter Lauf in familiärer Atmosphäre.
Eine tolle Reportage über den Lauf hat Heidi Schmitt produziert. > Klick <

22.3.08

Osterlauf im Matsch

Der erste Wettkampf im Jahr ist immer etwas Besonderes, gibt es doch bis dahin keinen Anhaltspunkt für den Leistungsstand. Etwas besonderes ist er vor allem, wenn man im vergangenen Jahr die 18,5 km in 1:30:02 gelaufen ist.

Der Osterlauf in Heyda bei Ilmenau ist eigentlich ein schöner Lauf. Auf befestigten Waldwegen geht es zwei mal um die Talsperre auf einer hügligen Strecke mit steilen Bergauf- und -abpassagen am Ende jeder Runde. Vorher wird man von der Freiwilligen Feuerwehr gegen Zahlung von einem Euro auf die Parkwiese eingewiesen. Wahrscheinlich die Frauengymnastikgruppe hat Kuchen gebacken und der Bratwurstrost wird beim Start angezündet.

Dieses Jahr war es etwas anderes. Zwar hat das Frühjahr sich seit Wochen eingestellt, doch vor Ostern kam der Winter zurück und die Feuerwehr musste nach dem Lauf auch viele Autos wieder aus dem Schlamm der Wiese hinausschieben. Schon beim Einlaufen zeigte sich, dass die festen Waldwege mit Scheematsch belegt waren. Der Osterlauf sollte zum Cross mit Schlammlöchern und schmierigen Bergabpassagen auf Wiesenpfaden werden.

Mein Vorhaben war es, mit 4:45 loszulaufen und zu schauen, was passiert. Das funktionierte ganz gut und nach 9 Kilometern war ich am Ende der ersten Runde bei 43 Minuten. In der zweiten Runde fiel das Laufen nicht schwerer. Die langen Läufe machten sich bezahlt. Allerdings traute ich mich auch nicht so recht das Tempo weiter zu erhöhen, dennoch überholte ich mehrere Läufer ohne selbst überholt zu werden. Beim Versuch auf einem schmalen Waldweg zu beschleunigen, drehten meine Füße im Schlamm einfach durch. Doch da kam auch schon das Ziel und mit 1:27:43 war auch das persönliche Zeitziel unspektakulär erreicht. Das bedeutet eine Pace von 4:44 min/km – schneller als ich in einem Wettkampf je zuvor gelaufen bin, auch nicht bei meiner Halbmarathonbestzeit, die ich auf glatten Parkwegen aufstellte. Die Saison hat gut begonnen.

2.3.08

Mit Emma bei den Benediktinern

Da der Blog für die Ewigkeit ist, sollte man am Anfang sagen, dass Emma ein Sturmtief war, das dieses Wochenende über Deutschland zog. Emma machte dann auch die Pläne für einen 3 h - Lauf zu nichte. Am Sonntagnachmittag gab der Wetterdienst Entwarnung und ich packte die Laufsachen ein, um von einem Besuch in Friedrichroda aus zu starten. Im Dreieck zwischen Friedrichroda, Waltershausen und Tabarz hatte ich schon öfter die Ausschilderung eines Benediktinerpfades gesehen. 15 km stand auf den Schilder und mit ein paar Zusatzschleifen könnte es lohnend werden. Start war in der Nähe des alten Bahnhofs Reinhardsbrunn, der seine besten Zeiten hinter sich hat.


Keinen Kilometer weiter sah man das Schloss Reinhardsbrunn. Das Jagdschloss von 1827 kann man gerade kaufen. Bis zum Bauernkrieg stand hier ein Benediktinerkloster, das dem Wanderweg dem Namen gab. Es war ein wichtiges Kloster, das eng mit den Thüringer Landgrafen und der Wartburg verbunden war.



Die Strecke über die Berge des Vorlandes des Thüringer Waldes ging teilweise heftig auf und ab.


Von der Deysingslust hat man einen schönen Blick über Tabarz zum Inselsberg.

Von dort war ein Panoramaweg um Tabarz mit einer Länge von 10 km ausgeschildert, dem ich kurz entschlossen folgte. Wieder in Friedrichroda waren es 21 km - zwar weniger als für das Wochenende geplant, aber in einer schöneren Gegend als gedacht. Die Strecke zum Nachlaufen ist hier.