26.9.09

Sinnfrage: Der Hohe-Buchen-Lauf 2009

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In meinem mit ca. 113.000 Einwohner durchaus überschaubaren Landkreis gibt es im Jahr ca. 20 verschiedene Volkssportläufe. Das Spektrum reicht vom Rennsteiglauf mit 15.000 Teilnehmern bis zum Stundenlauf mit ca. 30 Startern. Wenn man statt der Kreisgrenzen einen Umkreis von 30 km nimmt, dürfte sich die Zahl der Läufe noch verdoppeln.
Der Hohe-Buchen-Lauf vor meiner Haustür ist zwar einer der kleineren Läufe, aber mit seiner schönen Strecke und liebevollen Organisation doch sehr typisch. Es werden wieder etwa 100 Läufer gewesen sein, die in den beiden Kinderläufen und auf der 11,2 km Strecke für die Großen an den Start gingen. Die krummen Streckenlängen sind normal, nicht nur beim Rennsteig. Eine landschaftlich schöne und sinnvolle Strecke ist wichtiger als eine Standardlänge. Das übliche Höhenprofil macht ja sowieso keine Bestzeitenjagd möglich. Zum 20. Hohe-Buchen-Lauf haben die Veranstalter die Strecke geändert, so dass nicht mal der Vergleich zum Vorjahr funktioniert.


Am Lauftag begrüßte uns strahlend blauer Herbsthimmel ohne Morgennebel. Die Veranstaltung war für 6 Euro einfach aber gut organisiert. Es gab Papierstartnummern und Handzeitmessung, was beim überschaubaren Starterfeld reicht. Der Rundkurs erwies sich mit fast 300 Höhenmetern als noch anspruchsvoller als in den Vorjahren.

Auch wenn es nach dem Start gleich steil bergan ging versuchte ich vorn zu laufen, denn nach ca. 500 m wurde die Strecke zum Pfad auf dem Überholen schwer war. Anders als im Profil erkennbar, geht es aber nicht permanent bergauf. Es kommen immer wieder gerade Stücken und leichte Bergabpassagen, die die folgenden Anstiege um so schlimmer machen.



Nach etwa 4 km stellte ich mir die Frage zum Sinn meines Tuns. So früh hatte ich es noch nie. Der Puls schlug im Hardrockrhythmus und der herrliche Herbstwald war irgendwie abhanden gekommen. Gefühlt wurde mein Tempo nun langsamer, aber der Abstand zu den Läufern vor mir vergrößerte sich kaum. Bergab passierte, was passieren muss. Zwei Läufer zogen mit langen Schritten vorbei, während ich auf dem glatten Grasweg vorsichtig lief. So ganz unrecht hatte ich nicht, denn einer der Läufer stürzte. Hilfe brauchte er auch auf Nachfrage nicht, also ließ ich ihn wieder hinter mir.


Auf dem letzten steilen Abstieg überrannte mich noch ein Läufer meiner Altersklasse – doch zumindest kam er damit auch nicht aufs Treppchen – ach, bin ich gemein. Im Ziel war ich bei 56:38 und die Sinnfrage hatte ich schon wieder vergessen.




Für die Statistik: Platz 26 von 60 Männern und Platz 5 in der AK. Und bei Laufszene Thüringen gibt es noch einen offiziellen Bericht.

14.9.09

Wie ich beim Münster-Marathon nur Joschka versägte

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Joschka Fischer ist in seinen besten Zeiten den Marathon in 3:41 gelaufen. Auch ich laufe gern. Besonders liebe ich Landschaftsläufe, bei denen es weniger auf Zeiten ankommt und es egal ist, wo ich im Mittelfeld lande. Irgendwann packt einen aber der Ehrgeiz. Mehr als meine bisherigen 3:51 müssen doch beim Marathon möglich sein. Also mal schnell die Unterdistanzen hochgerechnet. Das Ergebnis von 3:30 ließ mein Herz in die Hose rutschen. Da man dafür den Kilometer genau in 5 min laufen muss, erschien die Zeit jedoch aus rechnerischen Gründen ein gutes Trainingsziel.



Mir fiel Greifs Countdown in die Hand, doch Udo, der mir beratend bei meinem Vorhaben zur Seite stand, behütete mich vor dieser "Knochenmühle". Dabei hätte es doch heroisch geklungen: „Vom Genussläufer zum Greifianer“. Also trainierte ich ohne Plan aber nach Udos Eckpunkten für Intervalle und lange Läufe mit Endbeschleunigung oder Staccato - also solche Dinge, die ich bisher eher theoretisch kannte. Auch die von Udo empfohlenen 70-80 km entsprachen meinen Vorstellungen und Zeitvolumen. Udo war ein überaus hilfreicher Coach, der mir immer wieder Anregungen für die Gestaltung der Einheiten gab und profund alle meine Trainingsfragen beantworte. Er sorgte dafür, dass ich zwar ohne Plan aber nicht planlos trainierte. Die Rose, die es in Münster bei km 41 gab, hätte er verdient.



Die vor allem terminbedingte Wahl von Münster, der „größten Kleinstadt Deutschlands“ war ein Glücksgriff. Die Stadt ist schön, der Marathon flach und das Wetter war herrlich mit 16° und gelegentlichem Nieselregen.



Mein Plan für den Lauf war simpel: Ich laufe mit den errechneten 5 min/km los und schau, was passiert. Schon auf den ersten Kilometern in engen Kurven durch die Innenstadt kam ich mit Dorothea Pfeffer ins Gespräch, einer der besten Ultraläuferinnen Deutschlands, die als Training eine 3:30 zur Vorbereitung auf die DM im 100 km Lauf anstrebte.

Die Marathonstrecke selbst führte weniger spannend zur Hälfte durch Wohngebiete und an Firmengebäude vorbei und zur anderen Hälfte über flaches Land. In den Orten spielten überall Bands und viele Zuschauer jubelten uns Rechen- und sonstigen Helden zu.



Bei km 30 lag ich mit 2:28 noch im errechneten Schnitt. Allerdings waren 3 km mit 4:45 in der Mitte der 20er ein Problem. Nachdem Dorothea bis hierher konstant lief, war sie schneller geworden, was ich zu spät korrigierte und sie ziehen ließ. Daraufhin bin ich bei km 28 das erste Mal an einer Verpflegungsstelle ein paar Schritte gegangen. Der Lauf wurde hart und die Kilometerzeiten langsamer, pendelten um 5:20. Bei km 35 war ich noch bei 2:55. Eine als realistisch eingeschätzte Zeit unter 3:35 erschien noch rechnerisch möglich.

Allerdings erwischte mich bei km 38 ein Krampf, also dehnen, gehen und wieder vorsichtig anlaufen. Bei km 40 das Gleiche noch mal. Da gingen unkalkulierte Minuten dahin.
Der Zieleinlauf in der guten Stube, dem Prinzipalmarkt, vor begeisternden Zuschauern brachte alle Emotionen zum Ausbruch. Mit 3:38:28 blieb ich zwar ein Stück von meiner Traumzeit entfernt, aber meine Bestzeit habe ich immerhin um 13 min verbessert - und Joschkas Bestzeit habe ich auch versägt.