16.10.11

Kernberglauf Jena 2011

"Man ist das geil", so platzte es bei km 9 aus mir heraus, als man von der Johannisberghorizontale das erste mal den Blick auf das von Wattenebel gefüllte Saaletal bei Jena hatte. Ich war beim Kernberglauf in Jena, den ich als alternativen Saisonabschluss für den Frankfurt-Marathon gewählt hatte. Auch wenn ich anderen Läufen Unrecht tun sollte, für mich ist der Kernberglauf über 27 km der landschaftlich schönste Lauf Thüringens. Wenn man nach 5 km aus dem Saaletal die Höhen der Berge um Jena erklommen hat, folgen viele spannende Kilometer auf den schmalen Pfaden der sogenannten Horizontalen entlang, die anderswo Hangwege heißen würden. Wenn sich gegen Mittag der Nebel verflüchtigt, hat man wunderschöne Blicke in das herbstbunte Tal. Man muss schnell loslaufen, denn nach 5 steilen Kilometern ist Überholen auf den Trailpfaden fast nicht mehr möglich. Aber eigentlich ist es schade, so schnell loszulaufen, den jeder Blick in das Tal bedeutet massive Sturzgefahr.


Dennoch bin ich zügig gelaufen. Irgendwann war Tino hinter mir, dessen Namen ich erst aus der Ergebnisliste erfuhr. Wir motivierten uns und überholten auf der Bergabstrecke ins Tal zurück viele Läufer. Ca. 5 km vor dem Ziel wurden wir von einem Streckenposten auf einige Stufen und eine feuchte Stelle hingewiesen. Einige Meter danach rutschte ich auf einer feuchten Wurzel aus und erlebte einen ungeplanten Bodenkontakt. Der folgende Kilometer diente dann zur Selbst(wieder)findung. Auch die letzten drei flachen Kilometer kam ich nur noch unwesentlich unter 5 min/km. Im Ziel blieb die Uhr dann bei 2:19:59 stehen. Vergleiche zu den Ergebnissen in den Jahren 2005 und 2006 sind wegen der leicht geänderten Strecke nicht möglich. Platz 137 von 396 ist aber irgendwie ganz ok, zumal der Marathon in Brüssel noch nicht ganz verdaut war.

Update: Da ich schnell gelaufen bin, hatte ich keine Kamera mit. Schöner Bilder von der Strecke gibt es aber auf der Seite des Laufes hier.

6.10.11

Warum einen Marathon in Brüssel laufen?



 Es gibt verschiedene gute Gründe einen Marathon zu laufen.

1. Den Marathon gewinnen
Mit einer Bestzeit von 3:29 und einem Starterfeld in Brüssel von über 1600 Läufern dürfte mir dies nur gelingen, wenn das erste Drittel der Läufer als Anti-EU-Demonstration von der Polizei eingekesselt wird oder sich kollektiv verläuft. Beides erschien unwahrscheinlich.

2. Eine persönliche Bestzeit laufen
Mit 250 Höhenmetern ist die Strecke in Europas und Belgiens Hauptstadt nicht unbedingt bestzeitentauglich, vor allem dann nicht, wenn man nach ca. 20 Marathons die eigenen Grenzen schon etwas ausgereizt hat. Nur vier lange, wenn auch bergige Läufe im Vorfeld und eher bescheidene 50-60 Wochenkilometer sprachen auch dagegen. Die Wettervoraussage von 25° C ließ mir selbst die angestrebte Zielzeit von unter 4 h  ambitioniert erscheinen.

3. Einen Trainingslauf bestreiten
Ein Ultra ist dieses Jahr nicht mehr im Plan und auch einen ursprünglich geplanten schnellen Marathon in Frankfurt hatte ich wegen Tempounlustigkeit schon länger gestrichen. Damit fiel auch dieser Grund weg.

4. Lauffreunde treffen
Wolfgang, mit dem ich jedes Jahr den Rennsteig und oft noch einen anderen Lauf bestreite, war sofort von Brüssel begeistert. So war es schön, mit  ihm und seiner Frau ein Wochenende in Brüssel zu verbringen. Allerdings liegen seine Trainingsziele derzeit eher darin, in Wimbledon zu gewinnen, als Äthopier und Kenianer auf der Marathonstrecke zu bezwingen. Daher weigerte er sich schon nach einem Kilometer, mir zu folgen. Petra hat es derzeit beruflich nach Brüssel verschlagen und für Marcel war es einfach nicht allzu weit zu fahren. Sie alle und ihre Partner traf ich beim Pastaessen am Vortag. Nur Anke, die in Brüssel wohnt und den Tisch bestellte, konnte wegen einer Havarie nicht kommen und wartet wohl immer noch auf den belgischen Notdienst. Wahrscheinlich kommt er erst, wenn sie die aus der Not aufgenommene Elektrikerlehre auf dem zweiten Bildungsweg abgeschlossen hat.


5. Einen persönlichen Traum erfüllen
Dies wäre wohl etwas hochgegriffen. Vor 10 Jahren habe ich Brüssel verlassen, wo ich einige schöne Jahre verbrachte. Hier hatte ich angefangen, häufiger aber nicht regelmäßig zu joggen. Der berühmteste Lauf in der Stadt, die "20 km de Bruxelles" lag damals außerhalb meiner Gedanken.



6. Einen schönen Lauf erleben
Schon der Start am Cinquantenaire ist ein Erlebnis. Der Triumphbogen sollte zum 50. Jahrestag Belgiens 1880 fertig werden. Da in Belgien nicht nur Regierungsbildungen länger als anderswo dauern, wurde das Bauwerk erst 1905 vollendet. Das gewaltige Bauwerk ist eine Mischung aus Brandenburger Tor und dem Arc der Triomphe in Paris.
Von dort ging es über den Rond Point Schuman, wo die EU zu Hause ist. Danach löste ich mich von Wolfgang und Petra und lief locker, ohne auf das Tempo zu achten. Am Königspalast schaute keiner raus - Pech gehabt, Hoheit. Auch ein Penner an der Straße in Richtung des riesigen Justizpalastes schaute nicht unter seiner Decke vor, als der große Pulk vorbei lief.
Lästig wurde es an der Avenue Louise, der teueren Einkaufsstraße Brüssels. Dreimal führte die Strecke durch mehr oder minder lange Tunnel unter Kreuzungen hindurch. Die Wärme in den Tunneln und die steilen Rampen ließen mich Schlimmes befürchten.


Schön wurde es dagegen im Park Bois de la Cambre, der auch deutlich kühler war als die bebauten Straßen. Um der anstehenden Hitze zu begegnen, hatte ich hier begonnen, auch am Wettbewerb Mr. Wet T-Shirt teilzunehmen. Doch auf den anschließenden breiten Alleen unter großen Bäumen blieb die Strecke lange schattig. Den Ballon mit 3:45 hatte ich inzwischen überholt. Allerdings sollte der Ballonträger das Ziel auch nicht in dieser Zeit erreichen. Ich stellte fest, dass ich minimal über 5 min/km lief und durch den langsameren Beginn ständig am Überholen war.

Nach 18 km begann die erste Herausforderung. Auf der Avenue de Tervuren ging es auf 2 km ca. 50 Hm bergan. Nun war der Marathon endgültig ein Landschaftslauf auf abgesperrten mehrspurigen Straßen geworden. In Tervuren ging es durch den herrlichen Park an dem langen See entlang. Wir kamen am Afrikamuseum vorbei, wo zumindestens vor 10 Jahren noch völlig unkritisch die belgische Kolonialgeschichte im Kongo gewürdigt wurde.

Ab dem Wendepunkt bei km 25 wurde es allmählich härter, jetzt liefen wir in der prallen Sonne und nach dem Park ging die Strecke lange sanft ansteigend geradeaus. Die Abwärtstrecke in der Avenue de Tervuren war dann seltsamerweise kürzer als der Anstieg zuvor. Doch es lief noch gut, wenn die Uhr jetzt auch Zeiten um 5:20 min/km anzeigte. An den Verpflegungsstellen blieb ich nun kurz stehen. Noch einmal ging es auf 2 km heftig hoch zum großen Kreisverkehr Montgomery. Dann liefen wir noch einmal durch das  Cinquantenaire, von wo es nur noch  3 km bis zum Ziel waren. Schleppten sich sonst die letzten Kilometer für mich dahin, begann nun der Landeanflug mit Kilometerzeiten um 4:45. Ein Zielsprint wurde nur vom Hauptfeld der Halbmarathonläufer behindert, das sich in das Feld einsortiert hatte. Bei 3:41:14 blieb die Uhr für mich stehen. Da schmeckte das belgische Weißbier hinterher richtig gut.